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Vorwort Alt-Eifler Küche »Kochen«

Vorwort Alt-Eifler Küche »Kochen«

Vorwort zum Buch Alt-Eifler Küche - Kochen

Wie sah die Küche unserer Vorfahren aus? Was kochte die Hausfrau am eigenen Herd, der ihr ganzer Stolz war? Schon bei diesen Fragen drängen sich Küchenbilder auf: Der blitzeblank gescheuerte große Kohle-Messingherd, ganze Schwaden von Dunstwolken, bunt gemischte Kochgerüche, Kessel- und Tellergerassel, ein emsiges Hin und Her und schließlich ein großer Familientisch, an dem die ganze Familie und oftmals noch das Gesinde sich zum gemeinsamen Mahl einfand - Tischgemeinschaft, die wir heute wieder herbeisehnen.

Das Essen in den dampfenden Schüsseln war oftmals einfach, was aber längst nicht bedeutet, daß es nicht schmackhaft und bekömmlich war. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt der Zubereitungsmöglichkeiten die Frauen kannten und wieviel Abwechslung sie in den Kochalltag brachten, obwohl die Auswahl an Nahrungsmittel im Vergleich zu heute äußerst beschränkt war. Meist standen nur diejenigen Zutaten zur Verfügung, die Hof und Garten gerade bereit hielten. Zugekauft wurde nur das Notwendigste.
Die Abhängigkeit von Witterung und von dem Wachstum der Früchte bescherte den Eifelern manche Not- und Hungerjahre. Andererseits überlebten sie als Selbstversorger viel eher allgemeine Notzeiten, in denen die Versorgung der Bevölkerung zusammenbrach. Man denke nur an die beiden Weltkriege und die harten Nachkriegsjahre, in denen die Menschen in den Städten bitteren Hunger litten, während man auf dem Land noch einigermaßen satt wurde.

Heute steht eine bunte Palette von Nahrungsmitteln zu allen Jahreszeiten zur Verfügung. Internationale Küche und Fastfood-Gerichte bestimmen den Eßalltag. Es wächst jedoch der Appetit auf deftige Hausmannskost, auf eine einfache Brotsuppe, wie unsere Großmütter sie kochten, auf ein sättigendes Eintopfgericht, auf einen Kartoffeltopfkuchen, auf eine Schweinebauchroulade, auf Eifeler Knudelen oder auf Buchweizenpfannkuchen. Die Alt-Eifeler Küche bietet da eine große Auswahl. Im Norden und Süden, im Westen und Osten dieser Region kennt man sowohl unterschiedliche als auch gleiche Rezepte. Manche Gerichte können als typische Eifelspezialität bezeichnet werden, andere sind aus anderen Gebieten - wohl über Haushaltsschulen - in die Eifel gekommen. Durch Mädchen, die als Hausgehilfinnen in herrschaftlichen Haushalten dienten, kamen auch städtische Rezepte in die Eifel.

Die Kochanleitungen sollen zum Ausprobieren einladen. Die jeweiligen Anmerkungen reflektieren das Leben in der Eifel und durchleuchten besonders die Möglichkeiten und Grenzen der Frauen. Es wird klar, daß die Frauen und Mütter stets bemüht waren, für die Familie etwas Schmackhaftes auf den Tisch zu bringen und eine angenehme "Häuslichkeit" für alle zu schaffen. Obwohl von ihr Gehorsam, Demut und Unterwerfung verlangt wurde, verstand sie es, die Herrin im Haus zu sein und ihren Mann zu stehen. Die Charakterisierung einer Eifler "Urahnin" des vorigen Jahrhunderts (1804-1864) trifft den Nagel auf den Kopf: "Sie war eine Bäuerin der guten alten Art, stolz und demütig, zugleich fromm und lebenstüchtig, ein wenig verträumt, doch auch genügend kühn und energisch."

Die eingestreuten alten Küchenweisheiten und die dichterischen Ergüsse sollen den Kochrezepten eine besondere Würze geben. Auf Messingschildern, Holzbrettchen, Schüsseln und Tellern waren solche Sprüche festgehalten, schmückten die Küche und ermahnten die Frauen zu Fleiß und Besonnenheit. Auch diese Verse, die uns manchmal schmunzeln lassen, spiegeln das Leben der Frauen in Küche und Haus wider. Inwieweit die ehemaligen Ratschläge und Maßregelungen noch heute in den Küchen geistern, mag jede LeserIN selbst herausfinden.

Ich bedanke mich bei allen, die mir mit Rezepten, privaten Aufzeichnungen, Büchern, Berichten und Hinweisen geholfen haben.
(Die Rezepte gelten in der Regel für 4 Personen.)
Nettersheim, im September 1994
Sophie Lange

Illustrationen von Annette Müllender, Eupen


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