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Clara Viebig: Lebensdaten

Clara Viebig

Clara Viebig: Lebensdaten

Von Sophie Lange

Clara Emma Amalie Viebig wurde am Sonntag, den 18. Juli 1860 in Trier in der Simeonstiftstraße 387 geboren, nahe der Porta Nigra. Von da ist es nur ein Katzensprung bis zum Trierer Dom. Sie schrieb später darüber: „Christentum und Heidentum treten sich in Trier fast auf die Füße.“
Die Glocken von Trier begleiteten ihre Kindheit: „Meine Wiege schaukelte im Takt mit den frommen Kirchenglocken, ich schlummerte süß bei deren Schall, und doch war ich ein Ketzerkind.“ Die Eltern stammten aus streng protestantischen, preußischen Familien; der Vater war als Oberregierungsrat von Posen nach Trier versetzt worden.
Die Liebe zur Eifel sog das Wickelkind Clara mit der „trefflichen Muttermilch“ ihrer Amme ein, der „schwarzen Anna“, einer urwüchsigen Tochter der Eifel.

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Als der Vater 1868 nach Düsseldorf versetzt wird, bezieht die Familie dort am Schwanenmarkt 3 ihr neues Domizil. Clara besucht in Düsseldorf die Schule, verbringt aber die jeweiligen Sommerferien in der Eifel bei dem Untersuchungsrichter Mathieu, den sie „Onkel Mathieu“ nennen darf. Als ihr Vater schwer erkrankt, verbringt sie 1880 ein ganzes „Pensionsjahr“ bei ihrem Onkel Mathieu in Trier. Sie begleitet ihn auf seinen Dienstfahrten quer durch die Eifel und lernt so den Landstrich genau kennen und erfährt manches Schicksal, das sie später in ihre Romane und Novellen einbindet.
Nachdem Claras Vater 1881 gestorben ist, überredet Clara ihre Mutter zum Umzug nach Berlin.

Clara beginnt ein Musikstudium, das sie jedoch wieder aufgibt. Sie widmet sich der Literatur, schreibt kleine Geschichten und Skizzen und einen Zeitungsroman „Wildfeuer“. Sie liest das Buch des Naturalisten Emilie Zola „Germinal“ und ist sich sicher: „So will ich schreiben, so und nicht anders.“ Und so schreibt sie dann auch und schafft den literarischen Durchbruch. Mit 36 Jahren heiratet sie den ein paar Jahre jüngeren Verleger Fritz Cohn, der dann „ihr“ Verleger wird und ihr Tür und Tor öffnet. Neben dem Novellenband „Kinder der Eifel“ und dem Bühnenstück „Barbara Holzer“ wird bereits 1900 „Das Weiberdorf“ ein großer Erfolg. Sie ist gefragt, doch in der Eifel erheben sich heftige Proteste. So arm, verkommen und rückständig wie die Dichterin die Eifeler Menschen – besonders die Frauen - beschreibt, möchten diese nicht gesehen werden.
Fast nebenbei zu ihren Erfolgen gebiert sie 1897 ihren Sohn Ernst Viebig. Jahr für Jahr erscheint ein neuer Roman der Schriftstellerin, alle sind erfolgreich. Viele Bücher werden in fremde Sprachen übersetzt. Die Dichterin geht auf Lesereisen im In- und Ausland.
Nach dem Eklat in Eisenschmitt meiden die Viebigs die Vulkaneifel als Urlaubsdomizil. Die Sommer verbringen sie nach 1900 im Hohen Venn. Venn-Novellen und die Venn Romane „Einer Mutter Sohn“ und „Das Kreuz im Venn“ entstehen. Doch nach der Veröffentlichung des Romans aus Kalterherberg ist sie auch in der dortigen Gegend – besonders in Monschau – nicht mehr gern gesehen. Jetzt bleibt nur Bad Bertrich als Urlaubsort.
Der Nationalsozialismus bestimmt die nächsten Jahre der Viebigs. Fritz Cohn ist Jude, ist aber vor der Heirat auf Drängen von Claras Mutter zum Protestantismus konvertiert. Durch ihn ist Clara „jüdisch versippt“, sie wird jedoch nicht verfolgt, auch werden ihre Bücher nicht verboten. Doch man empfiehlt ihr, sich ruhig zu verhalten. Sie gerät mehr und mehr in Vergessenheit.
1937 stirbt ihr Mann –eines natürlichen Todes. Der Sohn emigriert nach Brasilien und hinterlässt einen riesigen Berg Schulden, der die Mutter an den finanziellen Ruin bringt. Sie ist allein mit ihrer langjährigen Haushälterin und guten Freundin Mariechen -und mit ihren Sorgen.
1938 besucht sie mit 78 Jahren den Sohn und die Enkel in Brasilien. Drei Monate Aufenthalt sind geplant, doch nach vier Wochen tritt sie wieder die Heimreise an. Das Verhältnis zum Sohn bleibt weiter angespannt, bis schließlich fast jeder Kontakt abbricht.
Die Kriegsjahre hat Clara Viebig in Mittenwald verbracht. Doch ihren 90.Geburtstag kann sie mit ihrem Mariechen wieder in Berlin feiern. Ihre Wertsachen hat sie im Krieg verloren und so gerät sie immer mehr in Verarmung und Vereinsamung.

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Am Grab Clara Viebigs Foto: Dieter Polte

Ein Bekannter aus der Eifel, der ehemalige Bürgermeister von Hillesheim Ernst Leo Müller wird ihr „Sekretär“. Er zieht mit seiner Frau in das Viebig Haus und weist den zwei Frauen zwei kleine Zimmer zu. Er besorgt für die Dichterin alle Formalitäten, kümmert sich um das Finanzielle, schirmt sie von der Außenwelt ab und verwaltet später ihren Nachlass. Der gute Herr Müller lässt jedoch zu keiner Zeit seinen eigenen Vorteil außer Acht.
Am 31. Juli 1952, einem Donnerstag, stirbt Clara Viebig im Alter von 92 Jahren in Berlin. Ihrem Wunsch entsprechend wird sie in Düsseldorf im Grab ihres Vaters beigesetzt. Die Grabstätte wird später zum Ehrengrab ernannt.