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Eifeler oder Eifelaner?


Die sprachlichen Feinheiten für die Bewohner der Eifel

von Sophie Lange

„Eifelaner, wir lieben Euch!“ Diese Liebeserklärung war auf einer Internetseite zu lesen. (1) Der Anlass war das Wiederfinden eines verlorengegangenen Hundes, dank der Mithilfe vieler lieber Eifelaner. Oder waren es die lieben Eifeler?

Die deutsche Sprache ist nicht immer ganz klar in ihren Vorschriften. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel und oftmals bietet die Sprache mehrere Möglichkeiten an. So bekommen zum Beispiel Länder, Landstriche oder Städte ein –er angehangen, wenn man von den jeweiligen Bewohnern spricht. Dementsprechend leben in Italien die Italiener, in der Schweiz die Schweizer, in Berlin die Berliner, in Düren die Dürener, in Daun die Dauner, in Bitburg die Bitburger usw. Doch zu dieser Regel gibt es zahlreiche Ausnahmen. So leben in England zwar die Engländer, in Deutschland aber keineswegs die Deutschländer – das Wort gibt es zwar, aber das sind nur ein paar armselige Würstchen.

Eine Ausnahme bilden Namen auf –er. Die Regel dazu lautet: „Städtenamen, die auf einem unbetonten –er enden, erhalten in der Ableitung – aner, um eine Doppelung der –er Endung zu vermeiden.“ (2) Die Menschen in Münster sind demzufolge die Münsteraner, und in Hannover leben die Hannoveraner – obwohl es dazu noch Diskussionsstoff gibt.

Beide Möglichkeiten – er oder aner – bieten Wörter mit der Endsilbe -el an. Durch diese Regel werden die Bewohner von Wesel zu Weselanern, Inselbewohner zu Insulanern, die Arbeiter bei Opel zu Opelanern und die Menschen an der Mosel zu Moselanern. Die Schüler des Michaelgymnasiums in Bad Münstereifel nennen sich stolz Michaelaner, - wegen des el von Michael -, die Menschen aus Bad Münstereifel sich aber keineswegs Münstereifelaner. Nun, das Wort wäre vielleicht ein bisschen lang, obwohl es nur eine Silbe mehr hat als Michaelaner. Aber stellen wir uns einmal vor, ein Redner würde in Münstereifel seine Zuhörer begrüßen: „Meine lieben Bad Münstereifelaner und Bad Münstereifelanerinnen.“ Da würde er doch unweigerlich ins Stottern geraten. Dann doch lieber Münstereifeler!

Nun aber zu dem Wort Eifel selbst, das ja auf -el endet. Dazu gibt es nicht nur zwei, sondern sogar drei Möglichkeiten. Einmal das Anhängen der Silbe -er, dann sind die Eifelbewohner die Eifeler. Man kann aber auch ein –e fallen lassen und von Eiflern sprechen, wie man die Brüsseler auch Brüssler nennt. Ganz korrekt ist das allerdings nicht. Als drittens besteht die Möglichkeit ein –aner zu verwenden. Durch diese Varianten kann man zum Beispiel von der Eifeler Seele der Eifelaner sprechen oder von dem Eifelaner Humor der Eifler. Die Eifeler Bauernregeln stehen neben dem Eifelaner Lokalkolorit.

Wenn man dem Rheinischen Wörterbuch Glauben schenkt, so heißt nur der männliche Teil der Eifelbewohner „Eifeler“. Denn dort steht klar und deutlich: „Eifeler, m.: Bewohner der Eifel.“ (3) Demzufolge bekämen die Frauen den Titel Eifelaner oder vielmehr Eifelanerinnen. Etwas weiter ist von dem „eiflisch Mädche“ die Rede. Eine weitere Version!

Einfacher wäre es, wenn die Eifel wie im Jahre 838 noch Eifla (4) hieß, dann wären die Eifeler ganz klar die Eiflaner. 1051 ist die Eifel als Eiffila überliefert und so müssen wohl damals die Eiffilaner hier gelebt haben. 1550 nannte sich unsere Heimat Eyfalia und folglich würden die Bewohner nach unseren heutigen Sprachregeln Eyfalianer heißen.

Vielleicht haben die Unterschiede –er und –aner etwas mit der Aufteilung der Eifel zu tun? In der Nordeifel spricht man meist von den Eifelern oder Eiflern, im südlichen Teil scheinen mehr Eifelaner zu wohnen. Aber auch von den Eifelanern aus Monschau und Schleiden ist zu lesen. Neben den Eifelanern gibt es die Nichteifelaner und die Exeifelaner.

Im Internet tummeln sich verstärkt die Eifelaner. Neben den zahlreichen sportlichen Teams und Musikbands der Eifelaner sind die sonnenhungrigen, die behäbigen, die gemütlichen und die schüchternen Eifelaner zu finden. Eine Aufstellung (5) von bedeutenden Eifelanern listet quer durch die Jahrhunderte u.a. Mario Adorf, Johannes Sleidanus und Peter Zirbes auf. Auch so coole Sprüche wie „Auch der härteste Eifelaner ist nicht schmerzfrei“ (6) oder „der Eifelaner passt in alle Klischees“ (7) kann man im Internet entdecken.

Man findet aber auch sachliche Informationen: „Landwirtschaft und Viehzucht sind die Haupteinnahmequellen für die Eifelaner.“ (8 )oder „Schon seit eh und je gelten die Eifelaner als ein überaus gottesfürchtiges Völkchen.“Mehrmals taucht auch im Internet der Eifelaner Wettergott auf. Ist er für sonniges Wetter zuständig und der Eifeler Wettergott für die trüben Tage?

Aber immer wieder wird die Eifel gelobt, denn dort ist alles außergewöhnlich: „Die Eifel – außergewöhnlich reizvoll. Die Eifelaner – außergewöhnlich liebenswert.“ Und das sind bestimmt nicht nur die Eifelaner, sondern auch die Eifeler.

Quellenangaben

  1. www.eifel.de/go/gaestebuch.html (06.02.2005)
  2. Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod, Köln 2004, Seite 194
  3. Rhein. Wörterbuch, Bonn 1930, Band II (Eifel), Seite 53
  4. Sophie Lange: Der Name der Eifel. In: Eifel Jahrbuch 2001, Seite 183
    und unter www.sophie-lange.de
  5. www.indexlist.de/keyword/Eifel (Eifel - Wikipedia)
  6. www.motorsport-xl.de
  7. www.panoptikum.net
  8. www.swr.de (Bilderbuch Deutschland)