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Symbolik der Opfergaben

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Baumdarstellung aus Bonn

Die Römer ließen nach griechischem und asiatischem Vorbild symbolhafte Dinge und Figuren sowohl in ihre Bauten als in die Kleinkunst einfließen. Diese Symbolik wurde von den eroberten Völkern übernommen. Ob und inwieweit der ursprüngliche, religiöse Sinn in anderen Kulturen verstanden wurde, lässt sich nicht nachweisen. Den Menschen des Ubierlandes waren sicher alle diejenigen Symbole vertraut, die aus der Natur stammen und natürliche Abläufe versinnbildlichen. Bereits die Urmenschen kannten diese Sinnbilder. Da bei den Inschriften auf den Matronensteinen erklärende Angaben zum Wesen der Göttinnen fehlen, können nur die Attribute den „Schlüssel zur Identifikation“ liefern.

Der Mond
Eine Beziehung zum Mond, der seit Urzeiten als kosmisches Symbol gilt, wird bei Matronenmonumenten durch eine Lunula und durch die riesigen Hauben, die an Mondsicheln erinnern, angedeutet. Auch die Stellung der Füße erinnert an Mondsicheln. Da der Mond wegen seiner ständig wechselnden Form scheinbar lebt, wurde er mit Lebensphasen verglichen. Der 28-Tage-Rhythmus (bzw. Nächte-Rhythmus) liegt sowohl dem Lauf des Mondes als auch dem weiblichen Zyklus zugrunde. So steht der Mond seit je in engem Zusammenhang mit der weiblichen Fruchtbarkeit, mit Geburt und mit dem Leben schlechthin. Dreimal drei ‚Monde’ dauert eine Schwangerschaft. Die Unterteilung des Jahresablaufes in Monate und Wochen geht auf den Mondlauf und seine Phasen zurück. Dabei waren es ursprünglich nur zwei „Wochen“ von je 14 Tagen, die eine Mondzeit unterteilten. Bei Vollmond wurden fröhliche Feste gefeiert, während die Zeit des Dunkelmondes eher zur Zurückgezogenheit aufforderte.
Die Kelten verbanden die leibliche und besonders die spirituelle Form der Weiblichkeit mit Wasser und Mond und sahen „die Spur des Mondes auf dem Wasser“ als das Weiblich-Göttliche. Der Mond stand für weibliche Intuition, während die Sonne mit männlicher Energie gleichgesetzt wurde. Der Zyklus des Mondes veranschaulicht das Leben der Menschen und zugleich ein neues Leben nach dem Tod. Denn obwohl der Mond „stirbt“ und nicht sichtbar ist, erwacht er zu neuem Leben. Aus dieser „Auferstehung“ entwickelten die Menschen die Idee einer Wiedergeburt.
Im Gegensatz zur deutschen Sprache ist das Wort ‚Mond’ in vielen Sprachen weiblich, während die Sonne meist männlichen Geschlechts ist. In verschiedenen Kulturen wurde ‚die Mondin’ als Göttin verehrt. Ein Mondschmuck, mondsichelförmige Hauben und Fußstellungen genügen allerdings nicht, um die Matronen als Mondgöttinnen einzustufen.
Der Mond ist das höchste Symbol der Fruchtbarkeit im Kosmos. Frühere Kulturen beobachteten, wie die Feldfrüchte im Einklang mit den Mondzyklen standen. „Ihr sanftes Licht benetzte die Pflanzen nach der Hitze des Tages mit Feuchtigkeit und entzündete das Feuer des Lebens, das während der Nacht neu aus der Saat zu sprießen begann. Mit derselben Kraft zog sie Pflanzen aus der Erde.12 Außerdem ist die „Mondin“ die Hüterin der Träume und damit Begleiterin der Traumbilder und Weissagungen, der Ekstase und Visionen.

Der Baum
Die Symbolik des Baumes ist vielfältig. Der jährliche Kreislauf der Laubbäume vom Knospen, Blühen bis zum Laubabwurf ist ein sichtbarer Beweis für die kreative Kraft innerhalb der Natur. Der Vergleich mit dem Menschenleben ist überdeutlich: Zeit des Wachsens, der Reife, des Vergehens.
Fest verwurzelt in der Erde nimmt der Baum durch seine Äste Verbindung zum Himmel auf und verbindet so den Kosmos zu einem Ganzen. Die Kelten und Germanen sahen einzeln stehende Bäume als Wohnsitze von Göttinnen und Göttern, von Geistern und übernatürlichen Wesen. Plätze mit verehrungswürdigen Bäumen wurden zu Plätzen, die durch Kontemplation und Kontaktaufnahme mit dem Genius dieses Ortes zu einem heiligen Hain wurden. Aus dem Rauschen der Blätter erfuhren die Besucher Antworten auf ihre Fragen zu Gott und der Welt.
Bäume, die essbare Früchte tragen, gelten als Fruchtbarkeitssymbol schlechthin. Natürlich haben auch die Früchte selbst eine mythische Bedeutung. Äpfel, Birnen und anderes Obst werden als Geschenk der Götter angenommen und andererseits als Opfergaben den Göttern wieder voller Dank zurückgegeben.
Aus der Verehrung von Bäumen ist vermutlich der Ursprung der Matronenreligion erwachsen. Dieser Hintergrund bestärkt auch die These, dass die Matronenkulte vom Land ausgingen und von den ländlichen Siedlungen in die städtischen Zentren Köln und Bonn transferiert wurden und nicht umgekehrt, wie man es lange Zeit annahm.13
Im Matronenkult spielen Bäume und Baumfrüchte eine große Rolle. Auf den Nebenseiten von Matronensteinen sind insgesamt 186-mal Bäume dargestellt, zusätzlich Zweige und Blätter als pars pro toto (Teil für das Ganze). Bei den meisten Zweigen handelt es sich um Akanthus, eine Art des Stachelbärenklau (Acanthus mollis). Es ist eine häufige Ornamentik bei römischen Säulen und Weihesteinen. Manchmal sind auch die Göttinnen selbst mit Zweigen geschmückt.
Dass der Baum eine große Rolle im Matronenkult spielte, sehen wir zusätzlich an einer 32 cm hohen Baumskulptur aus dem Matronentempel Nöthen/Pesch. Die steinerne Plastik erinnert daran, dass dieser Tempelbezirk in seinen Anfängen ein Baumheiligtum in einem heiligen Hain war. Der heilige Baum, wahrscheinlich eine Eiche, wurde später in einem umzäunten offenen Hof integriert (s. Matronentempel Nöthen/Pesch).
Ein allein stehender großer Baum (Linde, Buche oder Eiche) war oft Mittelpunkt einer Siedlung. Hier wurden Versammlungen abgehalten, Recht gesprochen, Feste gefeiert und den Göttern gehuldigt. Auch versuchte man durch magische Tänze, Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen.
Der Baum ist ein altes, weit verbreitetes Mütterlichkeitssymbol. Er ist Sinnbild für Fruchtbarkeit und Leben; er ist der Lebensbaum. Der Obstbaum schenkt den Menschen Nahrung, Schatten und Schutz. Während das Blätterdach als weibliches bzw. mütterliches Sinnbild gilt, wird der Stamm als Phallus-Symbol verstanden. Der Baum stirbt im Winter ab, überwindet aber alljährlich den Tod und erwacht im Frühjahr zu neuem Leben. Er symbolisiert daher Wiedergeburt.
Den Kelten und Germanen war der Baum heilig. Er wurde als eigene Gottheit, aber auch als Sitz einer Gottheit betrachtet. Der Baum konnte sowohl von guten Feen als auch von bösen Geistern bewohnt sein. Man glaubte, dass die Seelen der Verstorbenen sich im Innern eines Baumes einnisten konnten. Dass Menschen in ausgehöhlten Baumstämmen bestattet wurden, geht der Tradition, Menschen in Holzsärgen zu beerdigen, voraus.
Jeder Volks-Stamm besaß für sein Territorium einen „Stamm-Baum“, der weltliche Macht und geistige Vorstellungen widerspiegelte, aber gleichzeitig auch Grenzen markierte (Markbäume). Bäume standen in heiligen Hainen, in denen die Menschen zu kultischen Handlungen zusammenkamen. Außerdem sprach man einzeln stehenden Bäumen eine besondere magische Kraft zu.
In der keltischen Mythologie müssen für ein Feuer unter dem Kessel der Fülle neun besondere Gehölze verwendet werden: Zweige der Eiche, der Esche, der Kiefer, der Eberesche, der Schlehe, der Haselnussstaude, der Eibe, des Weißdorns und ein Zweig Moormyrthe.
Die Eiche war sowohl den Kelten als auch den Germanen heilig. Als der Heidenmissionar Bonifatius im Herbst 723 die Donareiche bei Geismar fällte, um die Macht der alten Götter zu brechen, beging er damit in den Augen der Heiden ein nicht wieder gut zu machendes Sakrileg. 754 wurde Bonifatius von Friesen getötet.
Auf den Nebenseiten der Matronensteine sind mehrmals Baumheiligtümer angedeutet. Die aussagestärkste Baumdarstellung finden wir auf der Rückseite eines Weihesteins, den Statilius Proculus und seine Gattin Sutoria Pia um 185 n.Chr. den aufanischen Matronen in Bonn weihte. Das Bild zeigt einen S-förmigen Baum in einer felsigen Sakrallandschaft. Auf einem Ast ist ein Vogelnest mit vier Jungen erkennbar. Zu Füßen des Baums steht eine Ziege mit drei Körpern, aber mit nur einem Kopf. (Die Ziege, die „keltische Vorstellungen von einem theriomorphen Ziegenkult“ widerspiegeln kann, erscheint noch auf einem weiteren Matronenstein.) Aus einem Astloch windet sich eine Schlange.

Die Schlange
Auf der bereits erwähnten Baumplastik vom Heidentempel Pesch ist eine Schlange abgebildet, die sich um einen Baumstamm windet. Ein vacallinehischer Matronenstein, gefunden in der Kirche zu Weyer, zeigt an beiden Nebenseiten einen Baum, an dem Astlöcher zu erkennen sind. Diese deuten auf alten Bildnissen den Sitz der Schlange an, ohne das Reptil selbst sichtbar zu machen. Auch an den Seiten manches Füllhorns ist eine Schlange angedeutet.
In allen Kulturen hat die Schlange eine vielgefächerte mythologische Bedeutung. Dieses geheimnisvolle Reptil, das manche Erd- und Fruchtbarkeitsgottheiten begleitet, symbolisiert reichen Segen und die chthonische Kraft des Erdinnern. Die Schlange ist Anfang und Ende zugleich und hebt die Gegensätze von positiv und negativ auf. Wegen ihrer Häutungen gilt sie als Sinnbild ständiger Erneuerungskraft; sie beherrscht Tod und Wiedergeburt und damit das ewige Leben. Sind Schlange und Vogelnest zusammen abgebildet, so wird damit die erdverbundene Fruchtbarkeit hervorgehoben. In der Verbindung Schlange-Baum wird dieser zum Baum der Erkenntnis.
Die Schlange ist Verbündete der Frauen und steht für weibliche Weisheit und Würde. Auf zahlreichen kretischen, syrischen und ägyptischen Abbildungen ist eine Schlange als Göttin dargestellt. In der christlichen Religion zertritt Maria die Schlange und damit deren– und ihre eigene– Machtposition. In der Pfarrkirche von Mechernich-Weyer zeigt eine Marienstatue eine sichtbare Schlange, die einen Apfel im Mund trägt und in einer Mondsichel eingebettet ist. Auf dieser steht die mit einem Sternenkranz gekrönte Maria. Eine gleiche, aber dunklere Statue steht vor der Eiserfeyer Kirche, also praktisch an der anderen Seite der Kakushöhle. Eine weitere dieser seltenen Mariendarstellung steht in Erftstadt-Niederberg; sie stammt jedoch aus Kreuzweingarten, wo sie bis 1972 stand.14

Aus diesen Marienfiguren kann man das Zertreten der Schlange als Sinnbild der Versuchung und Verführung zum Bösen, aber auch das „Entstehen aus matriarchalen Kräften“15 herauslesen. Schlangen waren Hüterinnen heiliger Stätten; in der Schöpfungsgeschichte der Bibel beschützen sie das Paradies. Die Verbindung Baum und Schlange kann ein Hinweis auf eine Orakelstätte sein.

Der Apfel
Der Apfel gehört zu den ältesten Sammelfrüchten der Menschheit. Er war stets Attribut der Großen Göttin und verdeutlicht, dass Liebe, Fruchtbarkeit, Leben und Sterben in der Hand der Göttin liegen. Äpfel gelten als Sinnbilder des Lebens, aber auch des Todes und der Unsterblichkeit. Diese dreifache Symbolik des Apfels wird im Märchen „Schneewittchen“ deutlich. Die eine Hälfte eines Apfels schenkt das Leben, die andere Hälfte bringt den Tod. Da Schneewittchen die todesbringende Apfelhälfte wählt, stirbt sie, erwacht aber wieder zu neuem Leben.
„Für die Schönste“ war in der griechischen Mythologie der goldene Apfel bestimmt, den die Göttin der Zwietracht in eine Hochzeitsgesellschaft warf. Für die Göttinnen Hera, Athene und Aphrodite wurde dieser Apfel zum Zankapfel, der letztendlich den Trojanischen Krieg auslöste.
In der keltischen Tradition stand der Apfel als Symbol für spirituelles Wissen. Er hatte die größte Beziehung zur Anderswelt. Zeitlosigkeit, Unsichtbarkeit und Reichtum fanden ihr Reich in Avalon, der begnadeten Apfelinsel. Die goldenen Äpfel der germanischen Göttin Iduna schenkten den Göttern ewige Jugend.
Da das Kerngehäuse des Apfels bei waagerechtem Schnitt den Fünfstern zeigt, glaubt man an magische Kräfte dieser Frucht. Auch wird der Apfel als Mittel der Weissagung genutzt. Aus dem Fall und dem Bild von Apfelschalen werden bis heute Zukunftsgeschehnisse herausgelesen.
Wer täglich einen Apfel isst, fördert nicht nur die Gesundheit, sondern nimmt damit Kontakt zur Göttin auf.
Prall gefüllt mit Äpfeln sind Körbe auf Weihesteinen an die Göttin Nehalennia, deren Kult aus der niederländischen Provinz Zeeland belegt ist. Eine Erklärung lautet: „Die Äpfel bei Nehalennia können eine mehrfache Bedeutung haben, wahrscheinlich aber liegt der Akzent auf Fruchtbarkeit und Fülle. Obst, besonders Kulturobst wie auf den Altären abgebildet, war mit Sicherheit in jenen Zeiten ein Luxusnahrungsmittel, das sich nicht jeder leisten konnte. Der Besitz vieler Äpfel signalisiert also Reichtum.“16
Auf den Matronensteinen sind meist Granatäpfel dargestellt, die im gesamten Orient eine Jahrtausend alte Tradition haben. Bei den Ägyptern wurde die samenreiche Frucht als Grabbeigabe verwendet. In der griechischen Mythologie hält die Göttin Aphrodite einen Granatapfel in der Hand. In der Bibel wird der Granatapfel mehrmals erwähnt. Er soll 613 Kerne haben, genauso viele Gesetze enthält das Alte Testament. Im alten Rom wurde der Granatapfel als Fruchtbarkeitssymbol verstanden und ist Symbol für Lebensfülle und Lebensfreude. Er wird der jungvermählten Frau zugeordnet. Das Öffnen der Frucht wird in Bezug zur Defloration gebracht.

Die Birne
Neben dem Apfel diente die Birne schon in früher Menschheitsgeschichte der Ernährung. Wer die wildwachsenden winzigen Godenäpfel und Holzbirnen, auch Juffernbirnen genannt, heute findet, kann sich vorstellen, dass unsere Vorfahren mit diesen winzigen Früchten nicht den großen Hunger stillen konnten. Von den Römern wurden Äpfel und Birnen veredelt, die dadurch an Größe und Geschmack gewannen. Getrocknet waren beide Baumfrüchte bis in jüngster Vergangenheit eine wichtige Nahrungsergänzung im Winter.
Auf den Matronensteinen kommt die Birne viel häufiger vor als der Apfel. Ihre Symbolik ist jedoch weniger bekannt. Auch die Birne ist ein Fruchtbarkeitssymbol, meint hauptsächlich jedoch die Fruchtbarkeit beim Sterben und nach dem Tode. Am deutlichsten erzählt dies die alte Ballade des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, die Theodor Fontane 1889 in Reimform brachte, wobei er auf das Birnbaumgedicht von 1875 von Hertha von Witzleben, Enkelin des Karl Friedrich Ernst von Ribbeck, als Vorlage zurückgreifen konnte.
Herr von Ribbeck beschenkte Mädchen und Buben stets mit Birnen. Bei Fontane heißt es: „So ging es viele Jahre, bis lobesam der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.“ Er bat, dass man ihm eine Birne mit ins Grab geben möchte: „Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus, ein Birnbaumsprössling sprosst heraus.“ Nach Jahren reiften zur „goldenen Herbsteszeit“ die Früchte und die Kinder konnten wieder Birnen ernten. Die Ballade schließt: „So spendet Segen noch immer die Hand des Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.“ Segen spenden noch im Tode, das ist die wesentliche Symbolik der Birne.
Wegen ihrer an weibliche Formen erinnernden Gestalt ist die Birne ein Frauensymbol. Eiszeitliche Frauenstatuetten, zum Beispiel die Frau von Willendorf, zeigen in ihren überbetonten weiblichen Merkmalen oftmals Birnenform. In der Kleidermode spricht man bis heute von der Apfel- oder Birnenform der Figur. Auch ähnelt der schwangere Bauch einer Birne.
Im Mittelalter galt der Birnbaum wegen seiner „makellosen“ weißen Blüten als Symbol der Muttergottes, der ohne Erbsünde geborenen Makellosen. So ist es nicht verwunderlich, dass auf Marienbildern die Birne zu finden ist. Ebenso ist die Birne auf Bildern oder Statuen von Anna Selbdritt abgebildet. Das Jesuskind nimmt eine (goldene) Birne entweder aus der Hand seiner Mutter Maria oder seiner Großmutter Anna.
Oben auf den Matronenaltären liegt oftmals eine einzelne Birne. In Schalen und in Füllhörnern ist sie gemeinsam mit anderen Früchten arrangiert. Mehrere und verschiedenartige Früchte symbolisieren Fülle, Reichtum und Wohlstand im praktischen Leben und in spiritueller Hinsicht.

Der Pinienzapfen
Insgesamt sind 32-mal Pinienzapfen auf den Schmalseiten der Matronensteine abgebildet. Dieses aus südlichen Ländern stammende Attribut ist ein häufiges Schmuckelement der Antike. Im alten Rom ist der Pinienzapfen bei großen Monumenten, in Tempeln, auf Säulen, an Brunnen und besonders in der Grabkunst, so auch in Mausoleen, zu finden. Vorläufer der römischen Piniendarstellungen wurden bei Gräbern in etrurischen, ägyptischen und kleinasiatischen Gebieten entdeckt. Der Pinienzapfen war Feldzeichen einer römischen Legion, die im Jahr 15 v. Chr. an einem Eroberungsfeldzug nach Rätien teilnahm.
Die Pinie, die Kiefer des Mittelmeerraumes, ist ein Fruchtbarkeitssymbol. Man nimmt an, dass sie wegen der unablässigen Produktion neuer Zapfen zu dieser Bewertung kam. Sie ist aber vorwiegend Symbol der Unsterblichkeit, der Auferstehung, der Wiedergeburt, der Ewigkeit und des ewigen Lebens. Die Pinie gilt als Lebensbaum. Ein riesiger Pinienzapfen ziert einen Brunnen im Vatikan. Dieses antike Lebenssymbol nahm Karl der Große zum Vorbild, als er einen fast einen Meter hohen Pinienzapfen aus Bronze für einen Brunnen im Atrium seiner Pfalzkapelle in Aachen schaffen ließ. Einlass gewann die Pinie in Deutschland als Zirbelnuss oder Pyr, wobei Pyr offensichtlich auf das lateinische Wort pirum (Birne) zurückgeht. Dieser Zapfen der Zirbelkiefer ist im Stadtwappen von Augsburg zu finden. In dieser Stadt läuft einem dieses Fruchtbarkeitssymbol überall über den Weg.
Die Pinie war als heiliger Baum der kleinasiatischen Göttin Kybele zugeordnet. Die Anhänger dieser Mysterienreligion fällten zu Frühlingsanfang bei der Trauerfeier um den Götterliebling Attis eine Pinie und trugen diese in feierlicher Prozession zum Tempel ihrer Göttin. Auf einem Relief, in den Kapitolinischen Museen in Rom aufbewahrt, überreicht ein Priester der Kybele ein Gefäß mit Pinienzapfen. In der griechischen Mythologie zeugte Zeus mit Mnemosyne in Pinien die neun Göttinnen der Muse.
In einem Bleisarg, der 1965 in Lommersum-Bodenheim/Kreis Euskirchen zutage kam, war ein Pinienzapfen aus Eisen dem Toten beigegeben. Es wird angenommen, „dass der Verstorbene im Pinienzapfen eine Garantie für das ihm bereits zu Lebzeiten versprochene ewige Leben sah.“17
Der Pinienzapfen in den Füllhörnern auf Matronensteinen ist oft mit anderen Früchten kombiniert. Da man sich die Früchte bunt bemalt vorstellen muss, würde dem Pinienzapfen eine dunkle Farbe zukommen, während die Granatäpfel rot und die Birnen weiß zu denken wären. Alle drei Attribute weisen auf Leben, Tod und Wiedergeburt hin.

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Matronenstein Nettersheim


Das Füllhorn
55-mal zieren Füllhörner Matronensteine. Meistens sind sie mit Früchten und Ähren gefüllt. Ein Weihestein der Matronae Mahlinehae aus Köln zeigt abweichend von dieser Norm ein Füllhorn mit Globus und Ruder und rückt diese Matronen in die Nähe der römischen Fortuna. Auf einem Weihestein für die Junonen von Bonn sind Füllhörner und Rad eingemeißelt. Auf einem Nettersheimer Matronenstein ist das Horn mit zwei Äpfeln, zwei Birnen und einem Pinienzapfen reich gefüllt.

Das Tierhorn ist Zeichen der männlichen Lebenskraft. Am häufigsten wird es den beiden „Gehörnten“, Stier und Hirsch, zugeordnet, die ungebändigte Naturkräfte darstellen. Durch einen „Kunstgriff“ wurden bei Felszeichnungen aus Tierhörnern Mondsicheln. Das eindeutig androgyne Horn wird umgekehrt zum Füllhorn der Göttin (u.a. Rosmerta), die es mit reichen Gaben füllt.
Das Füllhorn wird auch mit der Göttersage von Zeus in Verbindung gesehen, der von einer Ziege gesäugt wurde, deren Gehörn abbrach und sich wundersamerweise mit Früchten füllte. Ein überquellendes Horn symbolisiert die Überfluss spendende Kraft und erzählt von paradiesischen Zuständen. Ob allerdings das Paradies im Diesseits oder im Jenseits gemeint ist, bleibt ungeklärt.
Weihesteine für Mercurius Gebrinius, die in Bonn an der gleichen Fundstelle wie die Matronensteine sichergestellt wurden, zeigen ebenfalls Füllhörner mit Früchten. Ursprünglich ist es jedoch „die Muttergöttin, die Reichtum und Wohlstand hervorbringt, sie ist es, die den prallen Beutel dem Merkur schenkt – dieser ist nur Verteiler.“18

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Kraniche, Foto: Martina Schäfer


Der Kranich
Wenn Kraniche in ihrer keilartigen Formation in Richtung Süden fliegen, wissen wir, dass der Winter vor der Tür steht. Kehren sie vom Süden zurück, verkündet ihr aufgeregtes Schreien: Der Frühling naht! Auf dem Land wird bis heute die Rückkehr dieser Zugvögel beobachtet und – wenn auch nicht gefeiert –so doch mit Freuden begrüßt.
Bei günstiger Witterung brechen die Kranichschwärme von ihren Sammelplätzen im Norden (zum Beispiel Insel Rügen) in den frühen Morgenstunden auf, ziehen beiderseits am Harz vorbei, erreichen dann das Weserbergland, Thüringen und Oberhessen. Weiter geht es Richtung Südwest, am späten Nachmittag fliegen sie schnatternd über die Eifel hinweg und zum Teil auch entlang des Rheins mit Bonn als Kreuzungspunkt. Oftmals legen die Kraniche in der Nordeifel eine Rast ein. Im Eifeler Volksmund heißen die Kraniche „Hollergänse“. In dieser Bezeichnung kann sich eine Verbindung zu Frau Holle, der Göttin Holla, verstecken.
Das auffällige Hüpfen, das der Kranich während der Balz und bei Erregung zeigt, lässt an fröhliches Tanzen denken. So war der Kranichtanz der Anlass, dass Griechen und Römer den Kranich als Symbol der Liebe und der Lebensfreude sahen. Die Schienbeinknochen des Kranichs sind die längsten Röhrenknochen und wurden gerne zur Herstellung von Flöten benutzt. Das lateinische Wort tibia meint sowohl diesen Knochen als auch die Flöte. So können Kranichabbildungen auf Flötenmusik hindeuten.
In der keltischen Religion war der Kranich ein weiser Vogel, der als Verkörperung von Ausdauer und Wissen galt. Einen Medizinbeutel, den die Druiden bei sich trugen, nannten sie „Kranichtasche“. Kraniche weisen Merkur, den römischen Gott des Handels und Wandels, der als Planetengott der Sonne am nächsten steht, als Kultbegleiter der Matronen aus. Die Kraniche selbst können jedoch auch als Kultbegleiter und Götterbote gesehen werden. Bildlich abgebildet ist der Kranich auf Matronensteinen aus Abenden, Embken, Nettersheim und Thorr.
Aufsehen erregte ein Matronenfund aus Alt-Inden (Geuenich) bei Jülich. Bei der Ausgrabung eines fränkischen Gräberfeldes, bedingt durch die Ausweitung des Braunkohletagebaus, stieß man auf fünf Matronenweihesteine, wahrscheinlich aus einem nahen Heiligtum. Zwei Brüder, Gaius Julius Primus und Gaius Julius Nigrinus, widmen einen dieser Altäre dem Kranich der duahenischen Matronen. Dazu heißt es: „Die Inschrift ist von religionsgeschichtlichem Interesse. Sie stellt die erste bisher bekannte Weihung an einen den Muttergottheiten zugeordneten Kranich dar.“19 Die Theorie, dass hier ein Kranichgehege einem Tempelbezirk angeschlossen war, bleibt jedoch spektakulär.

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Brotopfer von heute


Das Schwein
Auf zahlreichen Matronensteinen gehört ein Schwein zu einer Opferhandlung. Hauptursache für die Häufigkeit des Schweins als Tieropfer kann damit begründet werden, dass dieses domestizierte Wildschwein in Gallien ein Hauptnahrungsmittel und ein begehrter Leckerbissen war. Aber auch in der griechischen und römischen Antike gehörte das Schwein zu den bevorzugten Opfertieren. Es war ein lebensnotwendiges Tier, das die Götter den Menschen geschenkt hatten. So war es selbstverständlich, dass man es den Göttern in ritueller Form als Gabe darbrachte. Das weibliche Schwein war die große Muttersau, die Spenderin allen Lebens, die erst durch die Hygienevorschriften der Thora zum unreinen Schwein wurde.
Wegen seiner zahlreichen Nachkommenschaft war die Muttersau ein Fruchtbarkeits-Symbol und galt bei Ägyptern, Griechen und Kelten als Glücksbringer. Bei den Kelten hatte die göttliche Muttersau große Bedeutung. Arduinna, die Schutzgöttin der Ardennen, war eine göttliche Bache. Haus- und Wildschweine wurden bei sakralen Jahreszeitfesten verzehrt. „Ursprünglich wurde am Sommerende-Fest zu Beginn des keltischen Jahres das Samhain mit einer Festmahlzeit zu Ehren der Schweinegöttin gefeiert.“20

Brot und Getreide
Brot als das wichtigste Nahrungsmittel muss in seiner Symbolik kaum erklärt werden. Die Verwandlung von Getreide mittels Sauerteig in ein neues Wesen wurde als göttlicher Vorgang gesehen und so war das Brot stets eine Gabe der Göttinnen. Bis heute zeichnen Bäuerinnen und Hausfrauen mit dem Messer ein Kreuz auf der Unterseite des Laibs, damit das Brot gesegnet ist und allen wohl bekommt

Die Ähre, auch auf Matronensteinen abgebildet, versinnbildlicht Wachstum und reiche Getreide-Ernte, aber auch die Frucht des Mutterschoßes. Brot steht außerdem für spirituelle Nahrung, zusätzlich für Geburt, Tod und Wiedergeburt.

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