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Holzmülheim

Sagen und alte Dorfgeschichten


zusammengetragen und bearbeitet von Sophie Lange

Mutter der Erft
Der Wiegenort der Erft
Die Feuermännchen an der Erft
Die Roggenmuhme
Schocher Mühle




Mutter der Erft

Bernd Müller: Schönheit der Eifel, in Latein geschrieben 1866. Zitiert in: Helmut Weingarten: Einst hieß sie Arnapa. Kölner Stadtanzeiger, Sonderdruck, ohne Jahresangabe

Die Erft teilt in langem Lauf die Lande,
freut sich,
durch die Eifel, ihrer Mutter,
zu fließen.
Fließt vorbei an Lechenich
als gekrümmter reißender Strom -
ergießt sich mit gewaltigen Fluten
durch die fruchtbaren Fluren von Kerpen ...

Der Wiegenort der Erft

Malberg: Holzmülheim, der Geburtsort der Erft (Ausschnitt). In: Erftbote, Heimatkalender für das Erftgebiet, Sonderausgabe für den Kreis Euskirchen 1951, Seite 47

Tief eingebettet zwischen hohen Bergen liegt ungefähr auf halbem Wege zwischen dem mittelalterlichen Städtchen Münstereifel und dem Grafensitz Blankenheim das kleine anmutige Eifeldörfchen Holzmülheim. Zur Zeit des Frühlings verschwinden hier die Häuser fast in einem blühenden Wald von Obstbäumen. Wahrhaftig, hier hat das helläugige und muntere Eifelkind, die Erft, einen idealen Wiegenort! Etwa 150 Meter hinter dem letzten Haus auf Blankenheim zu, sprudelt das glasklare und Sommer wie Winter gleich kühle Bergwasser am Fuße der "Hardt" aus den Kalkfelsen hervor.
Leider hat die Stadtverwaltung von Münstereifel vor etwa 10 Jahren (1940) die Hauptquelle durch einen geschmacklosen Wasserbunker einfassen lassen, um das gesunde Wasser für ihren Kurbetrieb ableiten zu können. Nun hat das früher viel besuchte Plätzchen einen großen Teil seines ursprünglichen Reizes verloren. Nichtsdestoweniger sind die Holzmülheimer auch heute (ca. 1950) noch stolz auf ihre Erftquelle. Das zeigte sich vor allem, als man behaupten wollte, die Erft entspringe bei Frohngau, etwa 2 km westlich. Tatsächlich könnte man glauben, der Bach käme von dorther, wenn man dem verlängerten Tal in dieser Richtung folgt. Doch zeigt sich, dass dieses Wasser in trockenen Sommer ganz und gar versiegt, während unsere Quelle stets die gleiche Wassermenge zutage bringt. Auf dieser Tatsache gründet die wohlberechtigte Behauptung, dass die Erft bei Holzmülheim entspringt.

Die Feuermännchen an der Erft

M. Cremer: Was sich die Leute an der Erft erzählen. In: Erftbote 1951, Seite 73

Wenn in milden Sommernächten an der Erft die Leuchtkäfer schwirren, so haschen die Kinder, die zufällig einmal spät abends an der Hand der Eltern heimkehren, jubelnd und jauchzend nach den tanzenden Lichtern, und ihre Eltern freuen sich lächelnd daran. Die Alten aber, der Ahn und die Ahnin, die schon stille Augen und zittrige Hände haben, denken versonnen: "Da findet wieder eine arme Seele keine Ruhe und muss als Feuermann durch Wiesen und Buschwerk schweifen." Denn wer zu Lebzeiten einen Grenzstein auch nur um ein Geringes versetzte, der muss - so heißt es im Volksmund des Erftgebietes - nach seinem Tod im Glühwürmchenschwarm irrlichternd durch die Gemarkung streifen. Darum nennt man an der Erft einen Leuchtkäferschwarm noch heute oft Feuermann.

Und wenn am Feldrain oder im Benden, wo die Pappeln leise im Nachtwind rauschen und sich aus den Wiesen die Dünste heben, zwei solcher Feuermänner sich begegnen, so fahren sie wie erbitterte Feinde aufeinander los und ergehen sich in den ärgsten Vorwürfen, dass im Leben der eine dem anderen kein besseres Beispiel gegeben. Wenn sie dann müde und matt vom vergeblichen Streit sind, so lassen sie voneinander ab und lösen sich in einen Sprühregen auf. Aber Ruhe finden die armen Seelen nicht eher, bis ein mitleidsvoller Mensch sie mit gutem und klugem Wort erlöst.

Die Roggenmuhme

M. Cremer: Was sich die Leute an der Erft erzählen. In: Erftbote 1951, Seite 77

Wenn im Hochsommer die Mittagsschwüle über den reifenden Feldern lastet und kein Windhauch sich regt, geht auf den Äckern die Kornmuhme um. Dann segnet sie die Ähren, dass die Körner schwellen und zum Brot der Menschen werden. Wenn aber ein Bauer die notwendige Mittagsruhe nicht hält, so treibt sie ihren Schabernack mit ihm zur Strafe für seine Unvernunft; und wenn ein Kind einer Blume wegen das Korn zertritt, so scheucht sie es mit rauer Stimme und drohenden Gebärden auf. Zur Sommerzeit mahnt darum im Erftland die Mutter ihr Kind:

Lass steh’n die Blum’, geh’ nicht ins Korn,
die Roggenmuhme geht um da vorn.
Bald duckt sie sich nieder,
bald guckt sie wieder,
sie wird die Kinder fangen,
die nach den Blumen langen.


Schocher Mühle

Aus der Pfarrchronik der Pfarrgemeine St. Gertrud in Bouderath, 1979, Seite 47

Etwa 1 km unterhalb von Holzmülheim (Richtung Schönau) liegt auf dem rechten Erftufer als letzter Rest des ehemaligen Ortes Schoch - im 17. Jahrhundert zugrunde gegangen (30-jähriger Krieg) - die Schocher Mühle. In einem alten Dokument von 1580 wird dieses Dorf genannt. Die Talverengung an dieser Stelle rechtfertigt den Namen Schoch = Schacht. Ältere Bewohner wollen auf den Wiesen Trümmer von alten Bauten gefunden haben.

Ein Pächter der Mühle hieß Friedrich Jonas (1658-1712). Diese Familie Jonas errichtete wahrscheinlich das Jonaskreuz, das an dem alten Kreuzweg Bouderath - Holzmülheim - Roderath steht (s. Sagen unter Bouderath).


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