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Pesch

Sagen und alte Dorfgeschichten


zusammengetragen und bearbeitet von Sophie Lange

Die Heinzelmännchen
Am Heidepützchen
Heidewohnungen
Die Geschichte vom Matronenfest
Von der Kuh und der Rübe

Die Heinzelmännchen

Dr. Henßen: Sagen der Nordeifel. In: Eifelkalender für das Jahr 1935, Seite 59

Fröje (früher) ös en Pesch Iesesteen jeberg wore (Eisenstein gebrochen worden). Nue jeng de Sag, en alder Zeck (Zeit) wöere de Heezemännche komme, die hödde bei Nahtzeck de Steen lausjebrauche. Fröje hödde och die Heezemännche - so wied verzallt - beim Backe jeholfe. Wenn die Löck jeä (gern) jebacke hödde, do hödde se des Owends de Bruutdeech met Suedeech (Sauerteig) aanjemaht, öm des Morjens ze backe.

Domols leeße de Löck de Dörre oft op. On dann kome des Nahts zwei Heezemännche. Dä eene hät dä Backowwe jestauch, dä angere hät dä Teech (Teig) jemaht. Dann hodde die et Bruet jebacke. Wenn die Löck des Morjens opstonde, du woer et Bruet jebacke. Du sahte de Löck: "Dat hann de Heezemännche jedohn." Wie se de nächste Deech aanjemaht hahn, für et ange Morjes ze backe, du passe se am Piefelauch (Rauchabzug) op. Du sehn se öm zwöllef Ue zwei Heezemännche, de wore janz nackig. Dat Fräuche maht dr Deech aan, on de Mannsperson stoch dr Backoffe. Dat hät su e Joe (Jahr) jeduet. Weil se nackig wore, hatte se füe de Mannsperson e rut Bötzche on e rut Jäckelche maache loße on däm angere och ruede Röckelche. Nue hant se noch ens des Owends aanjemaht on hant die Kleede do jehange. On du hant se jeluert, wat die jemaht hödde met de Kleede. On du hant se wedde jebacke on hant sich die Kleede jehollt on hant jesaat: "Ach Jott, ös dat ose Luehn (Lohn)!" On du send se net mie komme.

Es ös ooch vezallt wore, dat hee op de Bergwerke Heezemännche koome. Em Fähld senn noch Läuche, wo se Isesteen jeberg hann. Em Bösch hahn se ooch Holz jehaue. Me dasch de Heezemännche net zosehn, söns senn se all fott. " Die mie dat verzallt hahn, senn ad lang duut on fuul.

Am Heidepützchen

Dr. Pohl. In: Bonner Jahrbücher 1882, Seite 135

Alte Leute sagen, in der Christnacht um 12 Uhr läute in der Tiefe des Brunnens (im "Heidentempel") ein Glöcklein.

Heute gehört der Matronentempel, der sogenannte "Heidentempel", zwischen Nöthen und Pesch zwar zu Nöthen - und damit zum Stadtgebiet Bad Münstereifel - aber er ist eng mit dem Ort Pesch verbunden, denn die Bezeichnung "Pescher Heidentempel" ist seit der Ausgrabung 1913/1918 üblich. Der Brunnen heißt seit jeher "Heidepützchen", die Apsis in der Basilika wird "Heidenkeller" genannt.

Heidewohnungen

Erzählt von Jos. Preßchen, gen. Chiastanssohn, Nöthen. Veröffentlicht in dem Sagensammelband von Gottfried Henßen "Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes", 1955, Nr. 365

Me hät am "Heedetempel" on ooch am "Strooße Helligehüsche" (Nöthen) Menschenknauche fonge. Me Vatte saht emme, de Heede hätte su schwäe Knauche am Lief. Ose aal Kerch (Nöthen) soll och fröje ne Heedetempel jeweäs senn. Och dat Dörrep hät net ömme hee jeläge. En dr Heedezitt log dat an dr Strooß. Me weeß net, wie dat Dörep zestuert ös wurde.


Die Geschichte vom Matronenfest

Wilhelm Hohn, Eschweiler. In: Euskirchener Land im Wandel der Zeit, 1927, Seite 19 - 21 (leicht gekürzt)

Es muss schon lange her sein, da kommt einer am Abend vor der Weihnacht vom Eifelstädtchen Münstereifel. Er hatte dort das Christkind bestellt, schritt aber nun rüstig aus, um noch vor dem Dunkel sein Heim zu erreichen. Der gute Mann hatte die Nöthener Tannen bereits hinter sich und schritt auf sumpfigem Wiesenpfade der bewaldeten Addighöhe zu, um so auf kürzestem Wege sein Heimatdörflein Pesch zu erreichen.

Kaum ist er im Walde da oben angelangt, fallen graue Nebelschleier, dichte Wolkenknäuel herab in das Gebüsch. Woher und wie sie so plötzlich gekrochen, war nicht festzustellen. Wer hätte auch ahnen können, dass die Feen oder Waldfrauen oder Matronen in der Christnacht ihr Fest haben und dann in langen, dichten Nebelgewändern majestätisch durch ihr Reich schreiten.

Die Nebelballen waren diesmal so undurchdringlich, dass der Heimkehrende tatsächlich die Hand nicht mehr vor den Augen sieht. Er denkt an Frau und Kinder; kalter Schweiß dringt ihm aus den Poren. Er ruft und schreit, nirgends eine Antwort. Er möchte aus dem Walde zurückgehen. Auch das ist unmöglich. Tastend wankt er vorwärts, stolpert, fällt, steht wieder auf, bleibt im dornigen Gestrüpp hängen. Waldgottheiten, Feyen und Matronen sind unverzeihlich, sobald der ahnungslose Wanderer zu ihrer Stunde die festliche Ruhe stört. "Wie werden Mutter und Kinder sich ängstigen, da ich nicht zurückkehre!" seufzt der unglückliche Vater.

Indem er so von Baum zu Baum strauchelt und tastend torkelt, fühlt er sich auf einmal vor einem niedrigen Gemäuer. Dem schreitet er vorsichtig entlang und wendet seitwärts seine Schritte ins Ungewisse. Unheimliche Angst befällt ihn. Ein unsichtbares Etwas hält ihn an, der vorgestreckte Fuß findet nicht festen Boden; er tastet und sucht ins Leere. Unwillkürlich taumelt er ein wenig zurück, sein Atem stockt. Eiskalter Schweiß rieselt über den Rücken, die Glieder zittern, er sinkt in sich zusammen.

Drüben im kleinen Häuslein des Eifeldörfchens Pesch falten unschuldige Kinderherzen ihre Händchen zum Abendgebet und bitten das liebe Christkind, es möge den lieben Vater doch recht bald wieder zurücksenden. Die sorgenvolle Mutter weint nicht vor den Augen der Kinder; sie unterdrückt den Schmerz. Nachdem sie die Kinder zu Bett gebracht, durchwacht sie qualvolle Stunden mit Beten, erwartungsvoller Spannung, böser Ahnung. Immer wieder öffnet sie das Fenster, dann die Türe. Der Nebel hat sich unterdessen in das Tal gesenkt. Sie schaut in den grauen Dunst, möchte hinausstürmen und alle Nachbarn um Hilfe bitten.

Alles ringsumher liegt in mitternächtlicher Stille. Sie fürchtet sich selbst. Um ihrer Kinder willen will sie stark bleiben; sie kann und mag sie jetzt nicht verlassen. Ausharren will sie bis zum frühen Morgen, da die Nebel hoffentlich schwinden.

Währenddessen liegt der Vater im Nebeldunst auf der Addighöhe. Er horcht! Was schallt da geisterhaft aus der Tiefe? Geisterhaft, feierlich klingen aus naher und unsichtbarer Tiefe Glockenklänge an sein Ohr. Aus dem Schoß der Erde, einer andern Welt, scheinen sie zu strömen, harmonisch und voll. Nicht wagt der Dörfler sich zu rühren; immerfort klingen die Glocken; bum - bam - bim - bum! Unwillkürlich richten sich die Blicke dorthin, wo das Geläut heraufdringt zu seinem Ohr. Er schaut, ja stiert durch das Grau gespenstischen Nebeldunstes. Täuschen ihn nun die Augen? Da erblickt er prunkvolle Tempel mit vornehmen, antiken Säulen und prachtvollen römischen Hallen. Und drüber wölbt sich der tiefblaue Himmel über rotschimmernde, übersonnte Dächer.

Und seltsame Menschen mit schwarzhaarigen Köpfen und fremden, sonnenverbrannten Gesichtern wandeln dort einher. Die Männer tragen kurze Beinkleider, und wallende Mäntel hängen um ihre Schultern. Die Frauen sind in weiten, faltigen Kleidern gehüllt. In der langen Wandelhalle drüben schöpfen einige zierliche Mädel aus tiefem Brunnen frisches Eifelwasser. Eine muntere Kinderschar umlagert den geschmackvoll eingefriedigten Brunnen; sie lässt mit Wohlbehagen den Becher kreisen. Vor einem zierlichen Tempel in Quadratform steht - in Andacht versunken - eine Pilgerschar. Vom Opferstein inmitten des Tempelinneren kreist in feinen Wölkchen Weihrauch empor; vorsichtig tritt er aus der geöffneten Tür des heiligen Raumes und hüllt den angrenzenden Säulenrundgang, die dort stehenden Weihedenkmäler und Matronenverehrer mit seinem ehrfürchtigen Dufte ein.

Im Hintergrunde des Tempelinnern fällt der Blick auf drei sonderbare Figuren - sie stellen die ehrwürdigen Göttinnen, Matronen oder Mütter der Kelten dar, sitzend auf einer Steinbank; in der Hand und im Schoße halten sie Blumen und Fruchtkörbchen. Kinder treten herzu, legen Blumen auf den Opferstein, Männer, darunter auch Krieger mit wetterfesten, braunen Gesichtern und kurzem Seitenschwert, werfen römische Münzen in die Opferschale. Behäbige Keltenfrauen drängen sich vor, Brot, Geflügel, Fleisch und anderer Speisen weihend. Eine hohe, sehr ernste Männergestalt, der Tempelpriester der Heiden, tritt nun vor den Opferstein. Jünglinge mit brennender Fackel stellen sich vor das Bild der Gottheiten. Der Templer murmelt unverständliche Worte über die Opfergaben. Die Pilger sinken in die Knie, voll Ehrfurcht das Gesicht verhüllend. Aus einem weiteren größeren Festtempel erschallen Gesänge, brennende Fackeln erhellen den Festraum, duftende Wolken glimmernden Harzes erfüllen ihn. Auch hier atmet alles Weihe und kultische Feier. Glanzvolle Feststunden keltischer Matronen!

Wie lange unser verirrter Dörfler diese alte Tempelherrlichkeit geschaut, ist nicht bekannt geworden. Da nach Mitternacht die Nebel weichen, sieht der vom Schauer erfüllte Mann gleich vor sich eine gähnende Tiefe. In Eile stürzt er aus dem Walde seinem Dorfe und seinem Hause zu. Hier findet er die weinende Mutter, die bangend und betend die Christnacht durchwacht und soeben ihre Kinder zur Christmette geweckt hatte. Der Vater umarmt die Kinder und erzählt sein Erlebnis.


Von der Kuh und der Rübe

Ein Märchen von Jakob Kneip
Jakob Kneip: Von der Kuh und der Rübe. In: Efeuranken. Illustrierte Jugendschrift, 1910, Seite 39

Nun will ich euch die Geschichte von dem armen Bäuerchen erzählen, das nur mehr eine Kuh und nur mehr eine Rübe hatte. Das Bäuerchen hieß "Schnüffelchen" und die Kuh hieß "Bläss"; es war Teuerung im Lande und kaum ein grünes Hälmchen wuchs noch am Bergrand. Und Schnüffelchen kam abends heim vom Feld und saß müde auf der Schwelle: "Wenn ich nun auch noch die Rübe füttere, was dann? Ich habe keinen Samen und auch keine Satzrübe mehr." Und er beschloss, die eine Rübe als Satzrübe zu behalten. Die Kuh aber brüllte vor Hunger im Stalle nebenan, und sie war so dürr, dass du all ihre Rippen hättest zählen können; man möchte glauben, sie hätte ein Fass im Leib, davon man die Reifen sehe.

Und wie Schnüffelchen sich nun mit verdrossenem Sinne schlafen legt, da erscheint ihm nachts der heilige Wendelin, der ja für das Vieh im Himmel Fürbitte tut; und der trat nun ganz nahe an dem Bauern sein Bett heran; und Schnüffelchen erkannte den Heiligen - er war genau so, wie er in der Dorfkirche auf dem Altar oben stand - und er erschrak ob des hohen Scheins, der von ihm ausging und geriet in ein kaltes Schweißbad. Aber der Heilige schlug ihn mit der Hirtenschaufel auf den Arm und sagte: "Gib der Kuh die Rübe, du Knicker! Ist dir die Rübe lieber als das Leben deiner Kuh? Du geizige Seele! Lass unsern Herrgott für die Zukunft nur sorgen."

Am andern Morgen führte das Bäuerchen seine Kuh auf den Berg, wo die Rübe stand. Und er machte da Halt und ging fort und sprach: "Bläss, da friss!" Und dann wandte er sich ab, denn er konnte es nicht mit ansehen, wie nun auch sein letztes Gut verzehrt würde. Und die Kuh fraß und fraß; und je mehr sie fraß, desto größer wuchs die Rübe.

Als nun am Abend das Bäuerchen wiederkam, war die Kuh verschwunden. Wo aber die Rübe gestanden hatte, war ein Berg; und darin war ein tiefes Loch. Und Schnüffelchen sah hinein und sah, wie das ganze Innere des Berges schneeweiß wie das Innere einer Rübe war. Und da stand tief unten noch immer die Bläss und fraß und fraß. Den Bauer erfasste ein Gruseln. Er lief schnurstracks nach Hause und getraute sich nicht mehr hinzugehen. "Es ist Teufelsspuk", dachte er und es wollte ihn kalt überlaufen.

So kam das nächste Frühjahr. Und siehe da: Eines Mittags, wie die Sonne recht warm auf Schnüffelchens Giebel spielte und das Bäuerlein verschlafen den abgemagerten Kopf aus dem Giebelloch hervorstreckte und gegen die Bergwand hinansah, wo eben der Schnee herabtaute und wo an freien Stellen schon wieder Grün hervorlugte: was denkt ihr, was Schnüffelchen da sah? Da guckte wahrhaftig der Kopf seiner Bläss an der Bergwand hervor. Erst traute Schnüffelchen seinen Augen nicht, aber so oft er hinübersah, es war die Bläss und nichts anders. Da geriet er in einen neuen Schrecken, wandte sich ab und wagte nicht mehr hinzusehen. Aber das dauerte nicht lange, da machte es schon "Muh, muh" vor der Türe; und da stand wahrhaftig seine Bläss vor der Stalltür und sah ihn aus den großen braunen Augen recht verwundert an. Und sie sah auch recht wohlbehalten aus und war glatt und rund wie nie vorher, und das braune Fell glänzte in der Sonne. Da liefen Schnüffelchen die hellen Tränen über die Backen vor Freude; und er lief eiligst hinaus, nahm die Bläss beim Horn, stieß mit dem Fuße die Stalltür auf und führte die Kuh hinein. Und nun spross und wuchs das draußen von Tag zu Tag. Und die Bläss hatte Weide und Futter im Überfluss. Wo aber der Kopf der Bläss aus dem Berge herausgelugt hatte, war nachher ein Felsen in der Form eines Kuhhalses zu sehen. Und der Felsen heißt "Kuhhals" bis auf den heutigen Tag.

Das Märchen handelt nicht im Pescher Raum. Es wurde als Beispiel für die Fabulierkunst des Dichters Jakob Kneip ausgewählt, der seit 1941 bis zu seinem Tod im Jahr 1958 in Pesch lebte.


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