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Roderath

Sagen und alte Dorfgeschichten


zusammengetragen und bearbeitet von Sophie Lange

Die Hottemännchen
Die Michelskapelle
Dr Düüvel buckelte Steine herbei
"Goethe" am Marmorbruch
Schönauer Johannes




Die Hottemännchen

Erzählt von Frau Müller aus Buir, veröffentlicht in dem Buch von Gottfried Henßen: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes, 1955. Nr. 1

Zwischen Holzmülheim und Roderath liegt die Quergsley. Darin haben in alter Zeit die Zwerge gewohnt, die nannte man "Hottemännche".

Eine Sage zur Quergsley ist unter "Frohngau" zu lesen.

Die Michelskapelle

Verschiedene Quellen. Unter anderem: Sophie Lange: Im Dunkel der Nacht. Sagen und andere "merkwürdige" und unheimliche Geschichten aus Bad Münstereifel und Umgebung, 2001, Seite 159 - 175

Die Bewohner der Orte Roderath, Bouderath, Holzmülheim, Buir und Tondorf fühlen sich eng mit dem Michelsberg und der dortigen Kapelle verbunden. Der Berg, ein weithin sichtbarer Basaltkegel, ist mit 588 m die höchste Erhebung der Mutscheid. Von einem Aussichtspunkt oder vom Turm der Kapelle hat man einen weiten Blick ins Land. Kirchtürme sind in der Ferne zu erkennen, zum Beispiel der Turm der Tondorfer Kirche. Bei günstiger Sicht ist der Kölner Dom zu erspähen.
Einer alten Sage nach sollte die Kapelle zuerst im Ort Mahlberg am Fuße des Michelsbergs errichtet werden. Doch fand man das Baumaterial, das man in Mahlberg bereitgelegt hatte, anderntags wie von Geisterhand bewegt auf dem Michelsberg. Darin erkannte man einen göttlichen Hinweis und begann auf dem Michelsberg mit den Bauarbeiten. Die Bautätigkeit erwies sich jedoch als so schwierig, dass man den Teufel um Hilfe bat. Man flunkerte ihm vor, dass man ein Wirtshaus plante und so war er bereit, seine teuflische Kraft beim Bau einzusetzen. Die Steine soll er von Roderath geholt haben.

Dr Düüvel buckelte Steine herbei

Erzählt um 1900 von Marx aus Pesch. In: Gottfried Henßen: Sagen, Märchen und Schwänke des Jülicher Landes, Bonn 1955, Nr. 78

Ich hann dat va Hüresage; of dat wohr ös, kann ich net sage: Als om Mechelsberg en Kerch jebot ös wore, hät dr Düüvel die Steen op sengem Buckel zosamme jedrage. Me hatt em jesaht, dat soll e Kaathuus wöre, doröve hät eä Freud on drog düchtig Steen beeneen (zusammen). Wie dr Bau baal fäedig wied, du sitt eä, dat dat en Kerch wied. Us Iefe (Eifer, Zorn) werp eä die Steen fott on die falle do, wo et dr "Wisse Steen" (bei Wittscheiderhof) heesch. Do lejje mehrere schwere Steenblöck. Me sitt de Klaue en de Steen aafjezeechnet.

weitere Teufelssagen


"Goethe" am Marmorbruch

Pfarrer Krause aus Eschweiler: Eifelmarmor. In: Eifelvereinsblatt Juli 1911. Dorfchronik 1100 Jahre Roderath, Seite 82. Bonner Jahrbuch 1994, Seite 545. Sophie Lange: Der Traum vom Eifelmarmor. Reiche Bodenschätze brachten keine Reichtümer. In: Jahrbuch Kreis Euskirchen 2001, Seite 16 - 21

Legendär ist inzwischen der Marmorbruch bei Roderath. Bei diesem "Marmor" handelt es sich allerdings nicht um echtes Marmorgestein, sondern um "bunten Kalk" aus der Zeit des Mitteldevons. Pfarrer Krause aus Eschweiler schrieb 1911 über den Eifelmarmor: "Nicht zu Unrecht kann man die Eifel ein schlafendes Dornröschen nennen, das der Erweckung des Prinzen harrt, um zu einem neuen, reichen und frohen Leben, ähnlich wie in seiner Blütenperiode im Mittelalter, zu erwachen. Freilich darf der Prinz, der übrigens bereits angeklopft hat, nicht vergessen, zu der Erweckung einen tüchtigen Geldsack mitzubringen, denn in der Eifel fehlt es nur an dem nötigen Kapital, um die reichen Bodenschätze aufzuschließen und sie der gesamten Menschheit zunutze zu machen. Von diesen Bodenschätzen war in der letzten Zeit in den Zeitungen häufig die Rede und zu diesen Bodenschätzen ist gewiss nicht an letzter Stelle unser Eifelmarmor zu rechnen.

Er beschreibt das Gestein folgendermaßen: Bei den bisherigen Funden von Marmor in der Nähe von Pesch, Bouderath und Roderath bei Münstereifel handelt es sich um einen ziemlich gleichförmigen Stein von dunkelgrauer Farbe mit weißen Adern oder deutlich sichtbaren Korallenästchen als Einsprenglinge. Sämtliche Belegstücke der dortigen Gegend, die dem Verfasser dieses Artikels zu Gesicht gekommen sind, weisen darauf hin, dass wir es mit sogenanntem Korallenkalk oder Marmor zu tun haben, das heißt einem kristallinisch -körnigen, kohlensauren Kalkstein, in dem mehr oder weniger deutlich erkennbare Korallenäste und -stöcke der paläozoischen Periode der Erde eingebettet sind.

1910 kaufte eine Gesellschaft namens "Goethe" 6 ha des Forstes, um dort den Marmor abzubauen und eine "Roderather Marmorindustrie" aufzubauen. Die grobkörnige Struktur des Eifelmarmors gestattete aber keinen dünnen Schnitt der gebrochenen Platten; so war das Unternehmen unrentabel und wurde bald wieder eingestellt.

Die Ecksteine der Roderather Kapelle, der Taufstein, das Weihwasserbecken und das Unterteil des Voraltars sind aus dem Marmor des Steinbruchs Roderath hergestellt. Grob bearbeiteter Marmor wurde beim Neubau der Kirche in Frohngau (1921) verwandt.

Ergänzung: Da der große deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe (1749-1782) sich intensiv mit Geologie und Mineralogie beschäftigte, wird wohl der Name "Goethe" in dessen naturwissenschaftlichen Forschungen begründet sein.

Schönauer Johannes

Aus der Pfarrchronik 175 Jahre Pfarrgemeinde St. Gertrud Bouderath, 1979, Seite 38

Nach einer alten Überlieferung hat der Schönner Jannes (Schönauer Johannes) auch in Roderath sein Unwesen getrieben. Hier stahl er während der Sonntagsmesse einem reichen Bauern, dem Bouhalfen, seine gesamten Ersparnisse. Dieser Jannes war in fast allen Orten des Münstereifeler Raumes berüchtigt und es wurde nur wenig Gutes über ihn erzählt.


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